Hätte Priester Charles-Jean Bonvoust aus Brie während der französischen Revolution nicht bei Bäuerin Marie Fontaine Harel aus Camembert Unterschlupf gesucht – und sie dabei in die Kunst der Käseherstellung eingeweiht –, vielleicht hätten wir dann heute keinerlei Camembert-Rezepte zum Genießen und Schlemmen. In jedem Fall soll so die Urform des französischen Weißschimmelkäses entstanden sein, die sich allerdings deutlich von der heutigen unterscheidet. Charakteristisch ist heute einerseits die runde Form, andererseits die weiße Rinde aus Edelschimmel. Geschmacklich liegt Camembert irgendwo zwischen leichter Schärfe und nussigem Aroma. Je reifer er wird, desto mehr verflüssigt sich der Kern. Und desto mehr Schärfe gewinnt der Geschmack. Hat der Käse selbst die Überreife deutlich überschritten, kommt eine leichte Ammoniak-Note hinzu. Die wiederum gab Anlass für ein bayerisches Rezept mit Camembert. Um die Ammoniak-Note zu überdecken, wurde der Käse einst zerdrückt und mit Paprika, Zwiebeln, Rahm, Butter und Kümmel vermischt – der Obazda entstand. Heute gibt es ihn in unterschiedlichen Variationen, zum Beispiel als
Obazda mit Radieschen.